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03.08.2015

China baut den Hybridreaktor - dieser nutzt eigenen Uran-Abfall

Die Idee ist schon Jahrzente alt, aber jetzt beginnt ernsthaft die Umsetzung: China wird, wie in diesem Monat in der Zeitung des Forschungsministeriums angekündigt wurde, bis 2030 einen kombinierten Kernfusions- und Kernspaltungsreaktor, einen sog. "Hybridreaktor" entwickeln. Das Projekt läuft bei der Chinesischen Akademie für Technische Physik in Sichuan (wo sonst an Kernwaffen geforscht wird). Zwar interssieren sich auch andere Länder für den Hybridreaktor, aber China hat damit als einziges einen konkreten Arbeits- und Zeitplan.
Der Hybridreaktor bietet eine ganze Reihe von Vorteilen in Hinsicht auf Effizienz, Sicherheit, Umwelt und Forschungsaufwand. So wird der geplante Reaktor dreimal soviel Strom erzeugen wie ein herkömmlicher Spaltreaktor. Gleichzeitig braucht er aber nur etwa ein Fünftel der Energiezufuhr, die ein reiner Fusionsreaktor benötigen würde, weshalb die Chinesen auch zuversichtlich sind, dass er wesentlich schneller einsatzreif sein wird.
Uran-238, das wichtigste Abfallprodukt bei der Kernspaltung, kann durch die bei der Fusion entstehenden Neutronen gespalten werden. Dadurch entsteht zum einen im Reaktor selbst Energie, die man nicht mehr von aussen zuführen muss. Und zum anderen wird praktisch der gesamte Kernbrennstoff verbraucht und es bleibt kein radioaktiver Abfall. Der Reaktor wäre auch sicherer als reine Fusions- oder Spaltreaktoren, weil man die Kettenreaktion durch Abschalten der Energiezufuhr sofort beenden kann.
Auf diese Weise lässt sich also der Abfall herkömmlicher Spaltreaktoren nutzen, um mehr Strom zu erzeugen, und muss nicht mehr aufwendig eingelagert werden. Dementsprechend braucht der Hybridreaktor auch weniger Uran als Brennstoff. Bisher wurde damit gerechnet, dass Chinas eigene Uranvorkommen den Bedarf seiner Atomwirtschaft etwa ein Jahrhundert lang decken könnten. Aber mit dem Hybridreaktor würde sich das radikal ändern: China müsste mehrere tausend Jahre lang kein Uran importieren.
Chinesische Medien weisen in ihrer Berichterstattung auch darauf hin, dass der legendäre russische Atomphysiker Jewgeni Welichow schon seit langem für den Hybridreaktor plädiert.



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